Offene Android-Welt im Westentaschenformat: Der E-Reader Boox Go 6 Gen II im Praxis-Test

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Im Test der eReader Boox Go 6 Gen II – Bildnachweis: TestMagazine

   

Marktentwicklung und technische Trends im Bereich der eReader

Die Zeit, in der elektronische Lesegeräte ausschließlich als digitale Buchstapel für den Sommerurlaub dienten, ist längst vorbei. Der Markt für E-Reader befindet sich in einer tiefgreifenden technologischen Evolution. Während klassische Marktführer den Leser traditionell in gesch

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lossene Ökosysteme drängen, verlangen anspruchsvolle Anwender zunehmend nach maximaler Flexibilität. Der Trend geht klar weg von starren Systemen hin zu offenen E-Ink-Tablets, die den Zugriff auf unterschiedliche App-Stores und diverse Lese-Plattformen ermöglichen. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach kompakten, leichten Geräten, die als echte Konzentrationswerkzeuge im Alltag dienen: frei von schädlichem Blaulicht, ohne spiegelnde Glasoberflächen und ohne die ständige Ablenkung durch eintreffende Push-Nachrichten sozialer Medien, wie sie auf Smartphones und herkömmlichen LCD-Tablets allgegenwärtig sind.

In dieser technologischen Nische positioniert sich die Marke mit ihrer Produktphilosophie. Das Betriebssystem Android bildet das Fundament für eine Geräteserie, die die Lücke zwischen dem klassischen, augenschonenden Lesen und der Vielseitigkeit eines Tablets schließen soll. Der neu eingeführte E-Reader Boox Go 6 Gen II greift diesen Trend auf und kombiniert ein handliches Sechs-Zoll-Format mit einer erweiterten Hardware-Ausstattung und einer theoretischen Unterstützung für Stifteingaben, um den Anforderungen moderner, mobiler Nutzer gerecht zu werden.

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Technische und optische Beschreibung im direkten Vergleich zu Wettbewerbern

Der Boox Go 6 Gen II präsentiert sich als filigraner und handlicher Begleiter, dessen Gehäuseabmessungen mit 1024 x 768 mm und einer Tiefe von 6,8 mm exakt auf maximale Portabilität ausgelegt sind. Mit einem Gewicht von lediglich 195 g ist das Gerät spürbar leichter als die meisten Smartphones oder herkömmlichen Tablets, was ein ermüdungsfreies Lesen über mehrere Stunden hinweg ermöglicht. Das Gehäuse wurde im Vergleich zum direkten Vorgänger optisch überarbeitet. Die Gehäuseecken und -kanten sind nun deutlicher abgerundet, was dem Gerät eine angenehmere Ergonomie verleiht und dafür sorgt, dass es natürlicher in der Handfläche liegt. Die Rückseite weist eine charakteristische, fein geriffelte Textur auf, die gestalterisch an die Oberfläche eines Reisekoffers angelehnt ist und in den Farbvarianten Pflaume, Stein, Muschel sowie Vanillegelb angeboten wird. Diese Riffelung erhöht zwar die Rutschfestigkeit, erweist sich im praktischen Alltag ohne Schutzhülle jedoch als anfällig für Schmutzpartikel und zeigt bei intensiver Nutzung relativ schnell optische Abnutzungserscheinungen.

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Unter der Haube arbeitet ein Qualcomm Snapdragon Achtkern-Prozessor mit einer Taktfrequenz von zwei Gigahertz, der für ein flüssiges Bedientempo sorgt. Ein wesentliches Hardware-Upgrade betrifft den Arbeitsspeicher, der von bisher zwei Gigabyte auf nunmehr drei Gigabyte LPDDR4X aufgestockt wurde. Der interne Flash-Speicher bemisst sich auf zweiunddreißig Gigabyte. Für den Anwender ist hierbei jedoch eine wichtige Einschränkung zu beachten: Das vorinstallierte Android-Betriebssystem beansprucht knapp zehn Gigabyte des Speichers für sich, sodass für eigene Bücher, Dokumente und Apps effektiv rund zweiundzwanzig Gigabyte zur freien Verfügung stehen. Dieser Speicherplatz lässt sich im Gegensatz zu den Geräten der Kindle-Reihe über einen seitlichen Micro-SD-Kartenslot flexibel erweitern. Zur weiteren technischen Ausstattung gehören schnelles Dual-Band-WLAN und Bluetooth fünf Komma null. Auf integrierte Lautsprecher hat der Hersteller verzichtet, Audio-Inhalte wie Hörbücher oder Musik müssen über drahtlose Bluetooth-Kopfhörer oder den USB-C-Anschluss ausgegeben werden. Ein kritischer Schwachpunkt im direkten Vergleich zur Konkurrenz von Amazon oder Pocketbook ist das Fehlen jeglicher Zertifizierung zum Schutz vor Wasser. Ein versehentlicher Sturz in die Badewanne oder ein plötzlicher Regenschauer kann bei diesem Gerät schnell zu einem irreparablen Hardwareschaden führen.,

KriteriumBoox Go 6 Gen II Boox Go 6 Gen IAmazon Kindle Paperwhite (2024)Tolino Shine (5. Gen. 2024)
Bildschirmgröße6,0 Zoll (15,24 cm)6,0 Zoll (15,24 cm)7,0 Zoll (17,78 cm)6,0 Zoll (15,24 cm)
Pixeldichte300 ppi300 ppi300 ppi300 ppi
Prozessor2,0 GHz Octa-Core2,0 GHz Octa-CoreProprietärMediaTek Dual-Core
Arbeitsspeicher3 GB RAM2 GB RAMNicht spezifiziert512 MB RAM
Speicherplatz32 GB (erweiterbar)32 GB (erweiterbar)16 GB (nicht erweiterbar)16 GB (nicht erweiterbar)
BetriebssystemAndroid 11Android 11Linux (proprietär)Linux (proprietär)
Gewichtca. 160 Grammca. 146 Grammca. 211 Grammca. 150 Gramm

Vergleich zum Vorgänger Gen I und Wettbewerbern wie dem Kindle von Amazon

Der Generationenwechsel vom ursprünglichen Modell zum neuen Gen II bringt punktuelle, aber für bestimmte Nutzungsszenarien entscheidende Veränderungen mit sich. Während das Gehäusedesign und die grundlegenden Abmessungen nahezu identisch geblieben sind, hebt sich die zweite Generation durch den von zwei auf drei Gigabyte vergrößerten Arbeitsspeicher ab. Diese Erhöhung ist im Alltag spürbar, da das Multitasking zwischen verschiedenen Android-Apps stabiler läuft und anspruchsvolle Lese-Anwendungen weniger träge reagieren. Die wichtigste funktionelle Neuerung ist jedoch die Integration einer aktiven Stiftunterstützung auf dem Display, die beim Vorgänger physisch nicht vorhanden war.

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Im Vergleich zum Marktführer Amazon Kindle Paperwhite zeigt sich eine grundverschiedene Systemphilosophie. Der Kindle Paperwhite punktet im Test mit einer spürbar flüssigeren System-Performance, einer exzellenten, automatischen Helligkeitsanpassung und einem vollständig wasserdichten Gehäuse. Zudem ist die Akkulaufzeit des Kindle aufgrund seines extrem schlanken, proprietären Linux-Betriebssystems um ein Vielfaches höher. Demgegenüber steht die restriktive Software-Politik von Amazon, die den Nutzer konsequent an den hauseigenen Kindle-Store bindet. Der Boox Go 6 Gen II bricht diese Barriere vollständig auf. Er erlaubt es dem Leser, die Kindle-App, die Tolino-App, Kobo sowie freie Formate parallel auf einem einzigen Gerät zu nutzen, was im Vergleich zu den geschlossenen Systemen der Konkurrenz einen unschätzbaren Gewinn an persönlicher Freiheit bedeutet.

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Zielgruppe

Der Boox Go 6 Gen II ist präzise für eine Zielgruppe konzipiert, die das schwere und ermüdende Halten eines herkömmlichen Multimedia-Tablets im Alltag leid ist, aber dennoch nicht auf die funktionale Vielseitigkeit eines offenen Betriebssystems verzichten möchte. Er spricht insbesondere mobile Leser, Pendler und Reisende an, die ein extrem leichtes Lesegerät suchen, das sich problemlos in der Jacken- oder Handtasche verstauen lässt und auch bei direkter Sonneneinstrahlung absolut spiegelfrei bleibt. Das Gerät ist zudem ideal für Nutzer, die ihre digitale Bibliothek über verschiedene Plattformen hinweg aufgebaut haben und diese nun auf einem einzigen, augenschonenden E-Ink-Bildschirm zusammenführen möchten. Wer jedoch ein primäres Arbeitswerkzeug für stundenlange handschriftliche Protokolle, großformatige technische Zeichnungen oder den intensiven Bildungsalltag sucht, wird durch die physische Begrenzung der Sechs-Zoll-Bildschirmdiagonale schnell an Grenzen stoßen und sollte sich eher im Segment der größeren E-Ink-Tablets ab zehn Zoll orientieren.

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Lieferumfang

Die Verpackung des E-Readers orientiert sich an einem minimalistischen Standard. Im Karton befinden sich neben dem Boox Go 6 Gen II lediglich ein passendes USB-C-Ladekabel, ein feines Werkzeug zum Auswerfen des Micro-SD-Kartenfachs, eine gedruckte Schnellstartanleitung sowie ein Garantieschein. Ein Netzteil sucht der Käufer vergeblich, was der aktuellen Marktpraxis entspricht, um Elektroschrott zu vermeiden. Der für die optionale Notizfunktion erforderliche Eingabestift ist im Standard-Lieferumfang des rund zweihundert Euro teuren E-Readers nicht enthalten und muss bei Bedarf separat erworben werden.

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Inbetriebnahme

Der Prozess der ersten Inbetriebnahme gestaltet sich erfreulich unkompliziert. Nach dem ersten Einschalten wird der Anwender durch ein strukturiertes Menü zur Auswahl der Systemsprache und zur Einrichtung der WLAN-Verbindung geleitet. Ein Google-Konto ist für den grundlegenden Betrieb des E-Readers nicht zwingend erforderlich, was datenschutzbewusste Nutzer ansprechen dürfte. Um jedoch Apps aus dem Google Play Store herunterzuladen, ist eine Anmeldung mit einem Google-Account unumgänglich. Die Benutzeroberfläche präsentiert sich nach dem Start aufgeräumt und führt den Leser über eine intuitive, anpassbare Gestensteuerung durch das System.

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Funktionen, Einstellungen und der Android-App-Store

Das Betriebssystem basiert auf Android elf. Auch wenn diese Version im Vergleich zu aktuellen Smartphones veraltet wirkt und der Hersteller kein Upgrade auf eine neuere Android-Generation plant, stellt dies für den primären Einsatzzweck als E-Reader keinen gravierenden Nachteil dar, da nahezu alle relevanten Lese-Apps ab dieser Version fehlerfrei funktionieren. Der entscheidende funktionale Mehrwert liegt im vorinstallierten Google Play Store. Hierüber lassen sich beliebte Lese-Plattformen, Hörbuch-Apps, Cloud-Dienste oder Produktivitätswerkzeuge völlig frei installieren.

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Um die systembedingte Trägheit des E-Ink-Displays bei der Nutzung herkömmlicher Android-Apps zu minimieren, verfügt das Gerät über das Steuerungszentrum E-Ink Wise. Dieses Werkzeug erlaubt es dem Nutzer, das Aktualisierungsverhalten des Bildschirms für jede App individuell anzupassen. Während der HD-Modus die maximale Schärfe für statische Texte bietet, beschleunigen die Modi Schnell und Ultrafast die Reaktionszeit des Displays drastisch, sodass selbst das Scrollen auf Nachrichtenseiten oder die Nutzung interaktiver Anwendungen flüssig dargestellt werden, wenn auch auf Kosten von feinen Details und mit einer Zunahme von Geisterbildern. Die Kehrseite dieser enormen Funktionsvielfalt ist die im Vergleich zu einfachen E-Readern spürbar komplexere Bedienung, die vom Anwender eine gewisse Bereitschaft zur Einarbeitung in die tiefen Systemmenüs verlangt.

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E-Ink-Display, Hintergrundbeleuchtung & Ghosting

Das Display des Boox Go 6 Gen II verfügt über eine Diagonale von sechs Zoll und arbeitet mit einer Auflösung von eintausendvierhundertachtundvierzig mal eintausendsiebenundvierzig Pixeln, was einer Pixeldichte von dreihundert Pixeln pro Zoll entspricht. Der Text wird gestochen scharf abgebildet und ist selbst bei minimaler Schriftgröße ohne störende Treppeneffekte perfekt lesbar. Die matte Glasoberfläche schließt bündig mit dem Gehäuserand ab und reduziert Reflexionen durch Sonnenlicht oder künstliche Lichtquellen effektiv auf ein Minimum. Auffällig ist, dass der Hersteller auf der offiziellen Produktseite der zweiten Generation die konkrete Panel-Bezeichnung Carta 1300 nicht mehr explizit nennt, was den Verdacht nahelegt, dass je nach Produktionscharge oder Zielmarkt unterschiedliche Display-Panels zum Einsatz kommen könnten. Unsere physikalischen Helligkeitsmessungen mittels Spektrofotometer zeigen einen L-Star-Wert von etwa fünfundsechzig bis sechsundsechzig Punkten, womit der Bildschirmhintergrund minimal dunkler erscheint als beim Vorgängermodell, was in der Praxis jedoch ohne direkten Vergleich kaum wahrnehmbar ist.

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Die integrierte Vordergrundbeleuchtung lässt sich über das Kontrollzentrum flexibel in der Helligkeit und in der Farbtemperatur regulieren. Das Spektrum reicht von einem kühlen, bläulichen Tageslicht bis zu einem warmen, bernsteinfarbenen Licht für das Lesen in den Abendstunden. Bei maximaler Ausleuchtung erreicht das Display eine sehr hohe Leuchtkraft von bis zu zweihundertdreißig Nits, wobei sich an den Rändern ein feiner Helligkeitsverlauf von oben nach unten abzeichnet. Bei praxisgerechten, mittleren Helligkeitsstufen ist die Ausleuchtung jedoch homogen und absolut augenschonend. Ein typisches Phänomen der E-Ink-Technologie ist das sogenannte Ghosting, bei dem feine Fragmente zuvor angezeigter Inhalte nach dem Umblättern schemenhaft im Hintergrund sichtbar bleiben. Beim Boox Go 6 Gen II tritt dieser Effekt gelegentlich auf, lässt sich jedoch durch die Konfiguration automatischer Bildschirm-Aktualisierungsintervalle im E-Ink Wise Menü auf ein unauffälliges Maß reduzieren.

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App- und PDF-Funktionen

Die vorinstallierte Lese-App NeoReader zeichnet sich durch einen enormen Funktionsumfang aus, der weit über die Möglichkeiten standardmäßiger E-Reader hinausgeht. Die Anwendung unterstützt eine detaillierte Formatierung von Texten, bei der Zeilenabstände, Absatzgrößen, Ränder und Schriftarten feinstufig angepasst werden können. Eine integrierte Übersetzungsfunktion greift wahlweise auf Dienste von Google, Bing oder herstellereigene Übersetzungsdatenbanken zurück.

Eine herausragende Stärke des Systems liegt in der Verarbeitung von komplexen PDF-Dokumenten. Obwohl ein Sechs-Zoll-Bildschirm für das Betrachten von DIN-A4-Dokumenten physisch ungeeignet ist, gleicht der NeoReader diese Limitierung durch intelligente Darstellungsmodi aus. Der integrierte Spaltenmodus schneidet mehrspaltige Dokumente, wie wissenschaftliche Arbeiten oder Zeitschriften, automatisch in logische Abschnitte und führt den Leser per Tippgeste chronologisch durch den Text. Dies verhindert das mühsame, manuelle Vergrößern und Verschieben des Bildausschnitts auf dem E-Ink-Bildschirm und macht das Lesen von Fachliteratur auf diesem kompakten Format überraschend komfortabel.

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Ladezeiten und Akkulaufdauer

Die Akkulaufzeit stellt den größten Kompromiss dar, den Käufer dieses vielseitigen Geräts eingehen müssen. Da im Hintergrund ein vollwertiges Android-Betriebssystem arbeitet, das im Vergleich zu den minimalistischen Systemen klassischer E-Reader permanent mehr Energie benötigt, fällt die Ausdauer des eintausendfünfhundert Milliamperestunden großen Lithium-Polymer-Akkus überschaubar aus. Im reinen Lesebetrieb über die NeoReader-App mit deaktivierter Hintergrundbeleuchtung und ausgeschaltetem WLAN erreicht das Gerät eine Laufzeit von etwa sechzehn Stunden, was bei einer täglichen Lesezeit von einer Stunde für rund zwei Wochen Betrieb ausreicht. Sobald jedoch intensiv im Internet gesurft, die Hintergrundbeleuchtung hochgeregelt oder anspruchsvolle Android-Apps im Hintergrund ausgeführt werden, sinkt die Laufzeit rapide auf wenige Tage. Ein vollständiger Ladevorgang über den USB-C-Anschluss nimmt bei einer maximalen Ladeleistung von zehn Watt knapp eine Stunde in Anspruch.

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Zugang zu deutschen Inhalten

Für Leser im deutschsprachigen Raum bietet die offene Android-Architektur des Boox Go 6 Gen II erhebliche praktische Vorteile beim Erwerb und der Ausleihe von Inhalten. Da das Gerät nicht an einen einzelnen Store gebunden ist, lassen sich die jeweiligen Apps der großen deutschen Buchhändler problemlos parallel nutzen. Ein besonderes Highlight ist die uneingeschränkte Kompatibilität mit der deutschen Onleihe, dem digitalen Ausleihportal der öffentlichen Bibliotheken. Während die Onleihe auf Amazon-Kindle-Geräten aufgrund technischer Inkompatibilitäten und Formatbeschränkungen überhaupt nicht genutzt werden kann, lässt sich die Onleihe-App oder die modernisierte Version Onleihe drei einfach über den Google Play Store installieren.

Der Leihvorgang und der direkte Download von E-Books im EPUB-Format erfolgen direkt auf dem Gerät, wodurch der umständliche und fehleranfällige Umweg über einen Computer und die manuelle Übertragung via USB-Kabel entfällt. Für den kabellosen Datentransfer im heimischen Netzwerk stellt zudem eine komfortable Browser-Schnittstelle zur Verfügung: Sobald sich der E-Reader und der Computer im selben WLAN-Netzwerk befinden, genügt die Eingabe einer lokalen Webadresse am PC, um eigene Dokumente, Grafiken oder Audiodateien direkt auf das Lesegerät zu übertragen.

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Zubehör wie Pen und Hülle

Ein zentraler Aspekt der zweiten Produktgeneration ist die neu integrierte Unterstützung für den herstellereigenen Eingabestift InkSense Plus. Da der Redaktion für dieses Test-Review kein physischer Stift zur Verfügung stand, basiert unsere Bewertung auf den technischen Eckdaten des Herstellers sowie auf verifizierten Messwerten unabhängiger Prüfstellen [cite: original request]. Der InkSense Plus ist ein aktiver, kapazitiver Stylus, der im Gegensatz zu den batterielosen Wacom-EMR-Stiften über einen integrierten Akku verfügt und separat über einen USB-C-Anschluss geladen werden muss. Der Stift ist aus Metall gefertigt, bietet viertausendsechsundneunzig Druckstufen und verfügt über eine physische Seitentaste zum schnellen Löschen von Zeichnungen oder handschriftlichen Notizen.

Unabhängige Latenzmessungen bescheinigen dem System eine hervorragende Eingabeverzögerung von lediglich neunzehn Millisekunden, was für ein flüssiges und direktes Schreibgefühl sorgt. In der Praxis erweist sich das Schreiben auf dem kompakten Sechs-Zoll-Display jedoch als zweischneidiges Schwert: Der geringe Platz bietet kaum Raum für ausgiebige handschriftliche Notizen oder Skizzen, weshalb sich die Funktion primär für kurze Randnotizen, das Unterstreichen von Textpassagen in E-Books oder das Abhaken von To-do-Listen eignet. Ein gravierender ergonomischer Nachteil ist zudem das Fehlen einer Halterung am E-Reader oder an der offiziellen magnetischen Schutzhülle, sodass der Stift lose mitgeführt werden muss, was das Verlustrisiko im mobilen Alltag erheblich erhöht.

Modellversionen & ZubehörUnverbindliche Preisempfehlung (UVP)Details und Lieferumfang
Boox Go 6 Gen II (Standard)Euro 199,99E-Reader, USB-C-Kabel, Karten-Werkzeug
InkSense Plus Stylus (optional)Euro 40,59 bis Euro 44,90Aktiver kapazitiver Stift, USB-C-Ladeanschluss
TPU Protective Case (Schutzhülle)ca. Euro 19,99 bis Euro 27,90Schutzhülle zum Einrasten, verdeckt SD-Slot
Boox Tappy (Fernbedienung)ca. Euro 25,00 bis Euro 30,00Bluetooth-Fernbedienung zum kabellosen Umblättern
Bundle-Set (E-Reader, Stift & Hülle)ca. Euro 216,00 bis Euro 230,00Je nach Händler und Verfügbarkeit im Paket

Firmware-Update, Pflege und Wartung

Der Hersteller zeichnet sich durch eine kundenfreundliche Update-Politik aus und garantiert eine Bereitstellung von Firmware-Updates über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren nach der offiziellen Produkteinführung. Diese Updates werden komfortabel über das WLAN-Netzwerk auf das Gerät übertragen und optimieren kontinuierlich die System-Performance sowie das Energiemanagement des E-Readers.

Bei der Pflege des Geräts ist jedoch Vorsicht geboten: Die bündig abschließende Glasfront der zweiten Generation verfügt über eine hauchfeine, matte Strukturierung, die das haptische Gefühl beim Schreiben mit einem optionalen Stift verbessern soll. Diese Schicht ist im Vergleich zur harten Glasoberfläche der ersten Generation spürbar anfälliger für mechanische Beschädigungen und Kratzer. Von der Nutzung scharfer Reinigungsmittel ist dringend abzusehen; zur Reinigung des Displays sollte ausschließlich ein trockenes oder minimal angefeuchtetes Mikrofasertuch verwendet werden. Zum Schutz vor Kratzern beim Transport in Taschen empfiehlt sich zudem die permanente Verwendung einer passenden Schutzhülle.

Gewährleistung

Beim Erwerb des Boox Go 6 Gen II über einen in der Europäischen Union ansässigen Händler profitiert der Käufer von der gesetzlich vorgeschriebenen zweijährigen Sachmängelhaftung. Diese Gewährleistung sichert den Verbraucher bei herstellungsbedingten Defekten umfassend ab und ist unabhängig von der freiwilligen Herstellergarantie zu betrachten. Der Hersteller selbst gewährt auf seine Geräte eine einjährige internationale Garantie, die sich ausschließlich auf die elektrischen Kernkomponenten wie das Mainboard und das Display erstreckt. Schäden, die durch unsachgemäße Handhabung, Stürze oder den Kontakt mit Flüssigkeiten entstehen, sind von jeglichen Garantieansprüchen konsequent ausgeschlossen.




Testurteil: Sehr Gut 1,4 – 07/2026

Fazit und Testergebnis

Der Boox Go 6 Gen II präsentiert sich im detaillierten Praxistest als ein hochspezialisiertes und extrem vielseitiges Lesewerkzeug, das sich deutlich von der breiten Masse einfacher E-Reader abhebt. Seine größte Stärke ist zweifellos die durch das offene Android-Betriebssystem gewonnene Freiheit. Die Möglichkeit, unterschiedlichste Lese-Ökosysteme wie Kindle, Tolino und die deutsche Onleihe auf einem einzigen, kompakten und federleichten Gerät zu vereinen, stellt einen enormen praktischen Nutzwert dar. Das gestochen scharfe 300-PPI-Display bietet ein absolut augenschonendes Leseerlebnis und überzeugt mit einer flexiblen, zweifarbigen Hintergrundbeleuchtung. Auch die hervorragenden PDF-Darstellungsoptionen des integrierten NeoReaders suchen in dieser Größenklasse ihresgleichen.

Dennoch hinterlässt das Gerät im Test ein geteiltes Bild. Die enorme funktionale Vielseitigkeit erfordert im Vergleich zu geschlossenen Systemen spürbare Kompromisse bei der Akkulaufzeit. Der kleine Akku verlangt bei intensiver Nutzung nach wenigen Tagen eine Verbindung zum Stromnetz, was dem klassischen Gedanken eines ausdauernden E-Readers widerspricht. Das Fehlen eines Wasserschutzes schränkt die Outdoortauglichkeit im Urlaub ein, und die Vielzahl an verschachtelten Einstellungsoptionen erfordert vom Anwender eine gewisse technische Lernbereitschaft. Zudem ist das Gerät mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von rund zweihundert Euro im Vergleich zu einfachen Einstiegs-Readern kein Schnäppchen.

Zusammenfassend ist der Boox Go 6 Gen II ein exzellentes Nischenprodukt. Wer einen unkomplizierten, robusten und günstigen E-Reader ausschließlich für Romane sucht, ist mit einem klassischen Kindle oder Tolino komfortabler und preiswerter bedient. Wer jedoch maximale Unabhängigkeit von geschlossenen Buchshops anstrebt, wissenschaftliche PDFs im Taschenformat lesen möchte und ein offenes E-Ink-System schätzt, erhält mit dem Boox Go 6 Gen II das derzeit leistungsfähigste und flexibelste Gerät im 6-Zoll-Segment.

 

 

 

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